Motive · 8 Bilder
Aufbahrungsorte und Krematorien
Zum Motiv
Leichenhäuser entstanden in Deutschland im späten 18. Jahrhundert. 1791 wurde in Weimar ein Leichenhaus gebaut, angeregt von Christoph Wilhelm Hufeland, 1795 folgte Berlin. Gründe waren die wachsende Angst vor dem Scheintod und hygienische Bedenken gegen die Aufbahrung in Privaträumen. Als die Städte im 19. Jahrhundert wuchsen, wurde der Weg zum Friedhof weit, und die Wohnungen boten oft keinen Platz mehr für die Aufbahrung.
Die Feuerbestattung setzte sich gegen Widerstände durch. 1874 fand in Dresden die erste Einäscherung auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands statt, am 10. Dezember 1878 die erste im Krematorium Gotha, dem ersten Deutschlands. Es ist neoklassizistisch gestaltet und erinnert mit seiner etwa 50 Meter langen Kolonnade an einen antiken Tempel. Heidelberg folgte 1891, Hamburg 1892.
Wegen kirchlicher Vorbehalte, die Katholiken die Feuerbestattung 1886 untersagten und erst 1963 aufhoben, wurden spätere Bauten oft im orientalischen Stil errichtet. 1903 erhielt Karlsruhe ein Krematorium im Erscheinungsbild eines Sakralbaus. Ein Beispiel für die Verbindung von Kapelle, Krematorium und Kolumbarium ist die Kapellenanlage des Leipziger Südfriedhofs von 1910.
Heute ist die Feuerbestattung in Deutschland häufiger als die Erdbestattung. Wer diese Orte betrachtet, sieht Architektur, die zwischen Sachlichkeit und Würde vermitteln soll.
Häufige Fragen
Wann wurde das erste Krematorium in Deutschland eröffnet?
Das erste deutsche Krematorium wurde 1878 in Gotha eröffnet, die erste Einäscherung dort fand am 10. Dezember 1878 statt.
Wozu dienten die ersten Leichenhäuser?
Sie nahmen Verstorbene bis zur Bestattung auf. Anlass waren die Angst vor dem Scheintod und hygienische Bedenken gegen die Aufbahrung in Wohnräumen. Das erste Leichenhaus in Weimar entstand 1791.
Warum sahen frühe Krematorien oft wie Tempel oder Kirchen aus?
Wegen kirchlicher Vorbehalte gegen die Feuerbestattung wählte man repräsentative, oft sakrale oder antike Formen. Gotha ist neoklassizistisch mit einer Kolonnade, Karlsruhe erhielt 1903 einen kirchenähnlichen Bau.